Stress macht auch unsere Tiere krank

Depressionen, Burnout-Syndrom und andere stressbedingte Erkrankungen sind in unserem hektischen Alltag immer häufiger. Doch nicht nur wir Menschen leiden unter zu viel Stress. Tierversuche ergaben, dass auch unsere tierischen Mitbewohner bei Stress krank werden können. Das vegetative Nervensystem sorgt bei stressigen oder bedrohlichen Situationen durch ein Zusammenspiel verschiedener Hormone dafür, dass der Körper in Gefahrensituationen optimal für Flucht oder Kampf gerüstet ist.
Die Herzfrequenz wird erhöht, der Blutdruck steigt, die Muskulatur wird stärker durchblutet, die Blutgerinnung nimmt zu und durch die Ausschüttung von Insulin wird Zucker bereit gestellt. Gleichzeitig werden alle energieverbrauchenden Körperfunktionen (wie zum Beispiel Sexualtrieb, Appetit und Verdauung) heruntergefahren. Für kurze Zeit ist der Körper optimal für Kampf oder Flucht gerüstet. Erfolg keines von beidem, bleibt die Mobilisierung vorhanden. Das Stresssystem folgt dabei uralten Erfahrungsmustern: solange weder Flucht noch Kampf stattgefunden haben, muss die Gefahr weiterhin bestehen. Aus diesem Grund ist sportliche Betätigung die beste Methode zum Stressabbau.
Wie bei jedem System ist nach einer Mobilisierung eine Erholungsphase von Nöten um eine Erschöpfung zu vermeiden. Bleibt diese aus oder kommt es zu schnell zu einer erneuten Aktivierung des Systems entstehen rasch stressbedingte Krankheiten. Dazu gehören zum einen Infektionen, da das Immunsystem durch die Stresshormone herunterfahren wurde, und zum anderen alle Arten von Verdauungsstörungen.

Was ist aber nun genau Stress für unsere Tiere?

Wir unterscheiden akute Traumatisierung, bei der die Stressbelastung von kurzer Dauer aber dafür heftig ist (wie zum Beispiel Tierarztbesuch, stärkere Erschütterungen oder Lärm…) und chronische Stressbelastung. Die häufigste Ursache dafür ist eine falsche Haltung!! Dies gilt ins besonders für kleine Heimtiere und Exoten. Darum informieren sie sich bitte unbedingt über die Haltungsanforderungen des gewünschten Haustieres um so Stress und damit Krankheiten vorzubeugen.
Es sollte natürlich das oberste Ziel eines Tierbesitzers sein, Stress möglichst zu verhindern (dies geschieht unter Anderem durch optimale Haltungsbedingungen und abwechslungsreicher Umgebung).
Doch manchmal lässt sich Stress nicht verhindern (Tierarztbesuche, Umzüge, Silvester…). In diesen Fällen gilt es einiges zu berücksichtigen um die Situation so erträglich wie möglich zu machen. Wie schon erwähnt, müssen die Stresshormone abgebaut werden. Die effektivste Möglichkeit hierfür ist körperliche Aktivität. Um das Bewegungsverhalten von Käfig- oder Terrarientieren zu fördern, müssen geeignete Voraussetzungen geschaffen werden. Je größer und besser strukturiert ein Gehege ist, desto geringer auch die Stressbelastung der Bewohner. Das Futter darf gerne auch mal versteckt werden oder an schwierig zugänglichen Stellen des Geheges angebracht werden.

Selbst starker Stress wird gut vertragen, wenn Zeit und Möglichkeit zur Regeneration bleibt. Daher sind Orte der Ruhe unbedingt nötig und dort muss das Tier auch sicher vor Störungen sein.
Bei einer akuten Stressbelastung sollte einen Tag vorher und 12 Stunden danach nicht gefüttert werden (da bei Stress die Verdauungsleistung reduziert wird). Da durch Stress viel Zucker verbraucht wird sollte der Zuckergehalt der Nahrung für einige Tage nach starkem Stress erhöht werden (aber bitte nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt). Zur Vorbeugung von Infektionen werden bei Reptilien nach starkem Stress die Wärme- und UV-Bestrahlung kurzfristig erhöht.
Um die Belastung bei Transporten so gering wie möglich zu halten gilt:

    möglichst kurze Transportzeiten planen (Termin beim Tierarzt verkürzt die Wartezeit)
    keine hektischen Bewegungen oder laute Geräusche beim Einfangen und Transport (Radio im Auto leise stellen)
    Dunkelheit fördert die Melatoninausschüttung und wirkt somit beruhigend
    ein verhältnismäßig enger, mit geeignetem luftdurchlässigem Substrat gefüllter Transportbehälter schafft ähnliche Verhältnisse wie im Versteck des Tieres (kleine Heimtiere und Reptilien)
    bei Reptilien sorgt direkter Kontakt zwischen Haut und Substrat für die Ausschüttung des entspannenden Hormons Oxytocin
    bei Reptilien bitte auch unbedingt an die richtige Umgebungstemperatur denken!