Lauf PIA, lauf!!

9.12.2016: Es war ein Tag wie jeder andere, der Abend senkte sich bereits über Traun…

Die Uhr zeigte kurz vor 18 Uhr und meine Eltern waren gerade dabei im Geschäft alles dicht zu machen als das Unglück seinen Lauf nahm.
Ein letzter Kunde öffnete noch schnell die Geschäftstür um herein zu huschen. Genau in diesem Augenblick stolzierte auch Nachbars neue Mieze im Garten vor unserer Geschäftstür umher.

„Das geht gar nicht“, dachte sich unser geliebter Schäferhund Pia und schon war sie mit einem Satz beim Türspalt draußen um der Mieze Fersengeld zu geben.
Die Mieze war natürlich weit schneller und sprang mit ein paar Sätzen über die Straße um sich gegenüber in Sicherheit zu bringen. Unsere Pia schaffte es nicht mehr über die Straße, Bremsen quietschten, ein Aufschrei gellte durchs Dunkel der herannahenden Nacht.

Meine Eltern fanden Pia nahe am Straßenrand liegend vor, beide Vorderpfoten verletzt, sodass an ein Aufstehen nicht zu denken war. Die Autofahrerin war geschockt und stammelte nur, dass sie nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte und Pias Vorderbeine erwischte.

Da bei einer Pfote zu sehen war, dass es sich um einen offenen Trümmerbruch handelte, verständigte mein Vater sofort die oberösterreichische Tierrettung. Die Sekunden wurden zu Minuten und die Minuten zu Stunden bis endlich ein Tierarzt mit der Rettung eintraf. Nun war guter Rat teuer, in welche Tierklinik man Pia bringen kann, damit ihr so schnell wie möglich geholfen wird. Der Telefondraht glühte, den nicht überall ist man auf so einen komplizierten Fall eingerichtet. Nach einigen Absagen fiel endlich der Groschen: Tierklinik Wels, Dr. Schwingshandl Christian!!

Inzwischen war auch ich an der Unfallstelle eingetroffen und nahm sofort mit Herrn Dr. Schwingshandl via Handy Kontakt auf. Er versprach mir, für Pia alles menschenmögliche zu tun!
Die Sanitäter der Tierrettung hoben Pia wirklich liebevoll und vorsichtig auf eine Trage, um sie dann vorsichtig in den Rettungswagen zu schieben. Und schon ging es ab nach Wels, wo Pia von Dr. Schwingshandl in Empfang genommen wurde. Erste Priorität hat die Stabilisierung des Hundes mittels Schockbekämpfung.

Schocktherapie

  1. Flüssigkeit: am besten über intravenöse Zugänge, im Notfall direkt in den Knochen (spezielle Kanüle). Die Infusionsmengen richten sich nach Schockzustand und sind zu Beginn etwa 100 ml / kg Körpergewicht
    2. Sauerstoff
  2. Medikamente: vor allem Kreislauf stärkende Mittel, Antibiotika, Schmerzmittel; keine Kortisone Danach folgte ein Ganzkörperscan im neuen Computertomographen der Tierklinik Wels, damit sich Dr. Schwingshandl ein Bild über den Status der Organe, der Wirbelkörper und der Extremitäten machen kann. Nicht selten kommt es nach einem Autounfall zu inneren Verletzungen und Blutungen, die zum Tod führen können.

Nachdem Pia nun stabilisiert und erstversorgt war, beruhigte sie sich zusehends und überstand den Rest der Nacht zufriedenstellend.
10.12.2016:
Heute ist für Pia OP-Tag: der offene Trümmerbruch der rechten Elle und Speiche muss operativ versorgt werden.

Ein Knochenbruch, der mit einer Hautverletzung einher geht, hat immer ein höheres Infektionsrisiko und damit ein höheres Risiko von Heilungsstörungen als die gleiche Fraktur in geschlossenem Zustand. Je umfangreicher und tiefer hierbei die Hautverletzung und die generelle Gewebezerstörung ist, desto ungünstiger ist es für die Heilung

Dr. Schwingshandl entscheidet sich für eine Bruchversorgung mittels eines Fixateurs externe: Hierbei werden Bohrdrähte durch die Haut in den Knochen gebohrt und außerhalb des Körpers

stabil miteinander verbunden. Diese Fixationstechnik hat den Vorteil, dass man den Bruchbereich selbst häufig gar nicht eröffnen muss und so die empfindliche Blutgefäßversorgung nicht stört. Auch bei offenen Brüchen, die ein deutlich höheres Infektionsrisiko haben und in der Regel bereits schwer traumatisierte Frakturenden aufweisen, hat der Fixateur externe den Vorteil der geringeren Keimverschleppung. Nachteilig ist der größere Pflegeaufwand und die Gefahr, dass der Patient den Fixateur schädigt (auch wenn das selten passiert).

Da die Operation sehr langwierig und auch seitens der Narkose her sehr belastend für Pia war, beschließt Dr. Schwingshandl, die Operation der zweiten Pfote erst tags darauf durchzuführen.

12.12.2016:
Wieder ein harter OP-Tag für Pia! Der Knochenbruch der linken Pfote muss versorgt werden.
Dr. Schwingshandl entscheidet sich hier für eine Abstützplatte zur Fixierung der Elle und Speiche:

Diese Form der Plattenosteosynthese wird nur bei Trümmerfrakturen angewandt. Die Fragmente werden nicht einzeln rekonstruiert. Stattdessen werden die beiden gelenktragenden Hauptfragmente ausgerichtet und verplattet. Damit sind Knochenachse, Gelenkrichtung und Knochenlänge korrekt. Der dazwischen liegende Bereich mit den kleineren Fragmenten wird durch die abstützende Wirkung der Platte entlastet. Die kleineren Fragmente werden nicht in Position gebracht, sondern heilen sekundär über eine Kallusbildung. Auch wenn es im Röntgenbild nicht danach aussieht – wenn man diese Form der Versorgung richtig anwendet, ist sie sehr erfolgversprechend. Der Bluterguss zwischen den Fragmenten wird nicht beschädigt und die Muskelansätze, über welche die empfindliche Gefäßversorgung in die Knochenfragmente gelangt, werden nicht zerstört. Das führt dazu, dass auf diese Art versorgte Frakturen häufig schneller ausheilen als bei „anatomischer Rekonstruktion“. Wichtig ist allerdings, dass man die kleinen Fragmente während der Versorgung vollständig in Ruhe lässt. Wenn man unvorsichtig operiert, funktioniert auch diese als „biologische Osteosynthese“ bezeichnete Methode nicht. Die einzelnen Fragmente werden nicht reponiert. Stattdessen werden die Hauptfragmente ausgerichtet und mit einer Knochenplatte fixiert.

GESCHAFFT!!!

Nun tritt zwangsläufig eine kleine Erholungsphase für Pia ein. Doch es ist weiterhin völlige Käfigruhe angesagt stationär in der Tierklinik Wels. Nur das die Käfigruhe bei Pia in einem Kindergitterbett stattfindet, dass während des Tages in einem extra Raum der Tierklinik geschoben wird, sodass Pia von mir und meiner Familie selbst beaufsichtigt werden kann.

Kurz vor Weihnachten, am 21.12.2016 folgt die dritte Operation:

Dr. Schwingshandl fügt bei der rechten Pfote ebenfalls eine Platte hinzu und verändert die Lage des Fixateurs externe etwas.

ENDLICH!! Ein Weihnachtswunder geschieht! Pia darf am 23.12.2016 nach Hause, muss jedoch alle 2 Tage zum Verbandswechsel in die Klinik. Damit wir diesen oftmaligen Verbandswechsel bewerkstelligen konnten, ohne dass Pia ́s Vorderbeine belastet wurden, besorgte ich ein Tragegeschirr, mit dem Rettungshunde abgeseilt werden!

Für Pia ́s Gitterbett ließ ich einen fahrbaren Untersatz anfertigen. Damit konnte man Pia wesentlich leichter transportieren, vor allem ins Freie für die Notdurft. Ständig hielt sich ein Familienmitglied bei Pia auf, damit sie sich nicht bewegt oder gar versucht aufzustehen. Die Nächte sind nicht nur für Pia sehr lang und unruhig, sondern auch für meine gesamte Familei. Ich habe sogar mein Nachtquartier neben Pia aufgeschlagen, nur damit sie die „Nichtbelastungsphase der Vorderbeine“ gut übersteht.

Während dieser „24 Stunden Pflege“ erhält Pia auch Magnetfeldbehandlungen mit einem Bemer- Gerät, die ihr sichtlich gut tun.

4.1.2017: Dr. Schwingshandl entfernt den Fixateur externe, der Verbandswechsel muss jedoch weiterhin alle 2 Tage erfolgen.

Erst am 16.1.2017 werden alle Verbände entfernt und Pia darf mit dem Aquatraining auf dem Unterwasserlaufband beginnen.

Das erste Training auf dem Unterwasserlaufband am 17.1.2017 war sehr anstrengend und dauerte in etwa nur 3 Minuten.

Doch siehe da, nach dem zweiten Aquatraining am 20.1.2017 verbesserte sich Pias Mobilität bereits zusehend.

Am 24.1.2017 konnte Pia ́s Aquatraining bereits auf 2 x 6 Minuten ausgedehnt werden und am 27.1.2017 schaffte Pia bereits 2 x 7 Minuten, was ein großer Fortschritt bedeutet.

Dr. Schwingshandl gab wirklich alles um alles um Pia wieder auf die Beine zu bringen und zeichnete sich durch eine unglaublich kompetente Behandlung aus für die ihm der Dank meiner Familie gewiss ist! Nur durch unsere Liebe zu Pia und Dr. Schwingshandl ́s Können gelang ein für mich kleines Wunder: Pia kann wieder laufen!