Ellbogengelenksdysplasie (ED)
Die Ellbogengelenksdysplasie (ED) ist ein chronisch verlaufender Krankheitskomplex des Ellbogengelenks schnellwüchsiger Hunderassen. Am häufigsten betroffen sind Chow-Chows, Rottweiler, Berner Sennenhunde, Neufundländer, Große Schweizer Sennenhunde, Labrador Retriever, Deutsche Schäferhunde und Bordeaux-Doggen.
Das Ellbogengelenk wird von insgesamt drei verschiedenen Knochenteilen gebildet und funktioniert als sogenanntes Scharniergelenk. Die obere Gelenkfläche wird von der Gelenkwalze des Oberarmknochens gebildet und die gegenüberliegende von der Elle (Ulna) und der Speiche (Radius).
Anatomie des Ellbogengelenks
1 - Gelenkwalze des Oberarms
2 - Speiche (Radius)
3 - zapfenförmiger Fortsatz der Ulna (Proc. anconaeus)
4 - Kronenfortsatz (Proc.coronoideus)
5 - Elle
Die Ellbogengelenksdysplasie (ED) besteht aus einer oder mehreren der folgenden Gelenkserkrankungen:
* Isolierter Processus anconaeus (= IPA); Ablösung des Ellbogenfortsatzes der Elle
* Fragmentierter Processus coronoideus medialis (= FCP); abgebrochener Kronfortsatz der Elle
* Osteochondrosis dissecans des medialen Condylus (= OCD); Knorpelablösung am innen liegenden
Rollhöcker des Oberarmknochens
Der IPA, der FCP und die OCD treten bei Hunden im Alter von vier bis fünf Monaten während des stärksten Wachstumsschubes auf. Männliche Hunde sind häufiger betroffen, da sie in der Regel schneller wachsen als weibliche Tiere.
All diesen Erkrankungen ist gemein, dass sie während des Wachstums entstehen und neben Fütterungs- und Bewegungseinflüssen (Überfütterung und schnelles Wachstum gelten als begünstigende Faktoren) bei bestimmten Rassen eine genetische Disposition zugrunde liegt.
Symptome
Die ED beginnt in der Wachstumsphase bei vier bis acht Monate alten Jungtieren mit einer schmerzhaften Veränderung des Gelenks und der gelenkbildenden Knochenteile (Osteoarthrose) mit Lahmheit. Der Bewegungsumfang des Ellbogengelenks ist eingeschränkt. Frühzeichen sind Steifigkeit am Morgen oder nach Ruhepausen.
Die Krankheit schreitet lebenslang fort und ist nicht heilbar, eine weitgehende Schmerzfreiheit kann aber in vielen Fällen erreicht werden.
Diagnose
Die Diagnose lässt sich zumeist anhand eines Röntgenbildes, vor allem im anterior-posterioren Strahlengang (Projektion von vorn nach hinten) stellen
Der röntgenologische Nachweis gelingt jedoch nicht immer, sodass der sichere Ausschluss nur über eine Arthroskopie oder Computertomographie (CT) erfolgen kann.
Therapie
Losgelöste Skelett- (FCP) bzw. Knorpelteile (OCD) werden arthroskopisch entfernt, da sie einen ständigen Reiz auf die Gelenkkapsel ausüben. Diese Entfernung sollte baldmöglichst erfolgen, um einer Arthrosebildung zuvor zu kommen.
Eine Gewichtsreduktion ist bei übergewichtigen Tieren dringend zu empfehlen. Die tägliche Verabreichung von Gelatine als Granulat ins Futter soll eine Arthrose verhindern oder zumindest hinauszögern können. Hunde mit einer ED sollten wegen der Vererbbarkeit von der Zucht ausgeschlossen werden.