Hüftgelenksdysplasie (HD)

Das Wort Dysplasie steht für „Fehlbildung“. HD ist die häufigste Form der Gelenkerkrankung beim Hund. Hierbei sind Kugel und Pfanne des Hüftgelenkes nicht korrekt ausgebildet. Man spricht von einer krankhaften Veränderung der Hüfte.

Die klinischen Symptome variieren mit dem Alter und dem Grad der HD

Jünger als 3 Monate:

Eventuell ohne Symptome, aber der betroffene Welpe wirkt extrem tollpatschig aufgrund der Instabilität der Hüfte.

3 bis 18 Monate:

Bei einigen Fällen können Symptome ausbleiben, aber bei vielen jungen Hunden verursachen Hüftschmerzen Lahmheit und eine Laufunwilligkeit.

Mittleres bis hohes Alter:

Eventuell tritt eine Arthritis in der Hüfte auf und der Hund benötigt eine medizinische Behandlung oder einen operativen Eingriff.

Als allgemeine Symptome sind festzuhalten:

Die Tiere zeigen in der Regel eine verminderte Aktivität, spontane Lahmheit mit Schwierigkeiten beim Aufstehen und einen verkleinerten Bewegungswinkel des Hüftgelenks. Eine passive Bewegung des Hüftgelenks ist schmerzhaft.

Junge Hunde mit ausgeprägter HD zeigen vor allem Schmerzen als Folge der starken Lockerheit der Hüftgelenke, während bei älteren Hunden die Schmerzen als Folge der Abnutzung (Arthrose) der Hüftgelenke überwiegen.

Bei leichteren Formen der HD können Krankheitshinweise fehlen, solange der Hund nicht stark beansprucht wird. Auch zwischen den einzelnen Hunden bestehen Unterschiede in der Schmerzempfindung: während der eine Hund mit leichter HD bereits hinkt, hat der andere Hund mit fortgeschrittener Arthrose eine spezielle Bewegungstechnik entwickelt, um Schmerzen zu vermeiden – der Besitzer merkt von der Behinderung unter Umständen gar nichts.

Ursachen

Die Entwicklung der Hüftgelenke wird maßgeblich durch zwei Komponenten beeinflusst

     * die Erbanlage (die Erblichkeit liegt etwa bei 30%)

     * die Ernährung des Hundes (ca. 70% ist die Ernährung und übermäßige  Bewegung im Welpen- und

        Junghundealter)

Bei einem Hund mit Veranlagung zu HD ist es möglich durch eine kalorienmäßig zurückhaltende und ausgewogene Fütterung das Ausmaß der Krankheit zu mildern.

Es ist erwiesen, dass Hunde die langsam wachsen, weniger schwer an HD erkranken als ihre schneller wachsenden und damit schwereren Wurfgeschwister.

Besonders wichtig ist es dabei, im Futter ein Überangebot an Eiweiß und Kalzium (Futterkalk) zu vermeiden.

Auftreten/Häufigkeit

Die Häufigkeit des Auftretens von HD bei großen Hunderassen stellt sich folgendermaßen dar

      * 0 - 20%: Siberian Husky, Collie, Belg. Schäferhund

      * 21– 40% : Dalmatiner, Hovawart, Border Collie, Eurasier, Airdale Terrier, Leonberger, Bouvier, Dogge

      * 41 – 60%: Riesenschnauzer, Großpudel, Bobtail, Labrador, Berner Sennenhund, Briard, Irish Setter,

      * Golden Retriever, Neufundländer,

      * Boxer, Deutscher Schäferhund

      * über 60%: Bernhardiner, Engl. Setter, Gordon Setter

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  1. Röntgenbild eines 13 Monate alten Rottweilerrüden mit schwerer HD
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  1. Röntgenbild einer HD-freien Hüfte

Therapie

     * Symphysiodesis

     * Denervation

     * Femurkopf-und Halsresektion

     * Hüftendoprothese (künstliches Hüftgelenk)

 

Symphysiodesis

Unter der juvenilen pubischen Symphysiodese versteht man die Verödung der Wachstumsfuge des Schambeines. Es handelt sich um ein wenig belastendes Operationverfahren zur frühen Therapie der Hüftgelenksdysplasie des Hundes.

Durch den elektrochirurgischen Eingriff beim 16-20 Wochen alten Welpen (danach nicht mehr möglich!) verändert sich das Wachstum des Beckens.

Während die oberen Anteile der Hüftknochen ungebremst weiterwachsen, stoppt das Wachstum im unteren, vorderen Beckenbereich.

Hierdurch kippen die Gelenkspfannen nach außen über die Köpfe der Oberschenkelknochen. Die Stabilität der Hüftgelenke nimmt zu und die Entwicklung der Hüftgelenke während der Hauptwachstumsphase des Hundes wird optimiert.

Der Dysplasiegrad wird hierdurch deutlich gemindert und so die Gefahr einer späteren Arthrose – der schmerzhaften und kostspieligen Folge einer HD – verringert.

Im Idealfall lässt sich durch den Eingriff eine vollständige HD-Freiheit erreichen. Die komplikationsarme Operationstechnik bietet somit eine echte Heilungschance für die betroffenen Tiere.

Bei fachlich korrekter Durchführung von Diagnostik, Patientenauswahl und chirurgischem Eingriff liegt die Erfolgsquote bei 80 bis 90%.

Eine Bewegungseinschränkung nach der Operation ist nur begrenzt notwendig – ausreichender Leckschutz bis zur Nahtentfernung genügt in aller Regel.

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  1. CT-Aufnahmen der Hüftgelenke eines Hundes vor (Abb.1) und 2,5 Jahre nach (Abb.2) der Symphysiodese.
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  1. Im Verlauf der Wachstumsphase nach der Operation hat sich das in Abb. 1 schräg stehende, wenig Halt gebende Dach der Gelenkpfanne horizontal über die Köpfe der Oberschenkelknochen geschoben – die Gelenke sind erfolgreich stabilisiert, Arthrosen sind nicht zu erwarten. (Abb.2)

Denervation

Die Denervation gilt in der Humanmedizin schon seit langer Zeit als etabliertes Verfahren in der Behandlung chronischer Gelenkerkrankungen (Hand- und Ellbogen, Hüftgelenk). In der Humanchirurgie des Hüftgelenkes wird die Denervierung allerdings durch den Einsatz der Totalendoprothese (künstliches Hüftgelenk) ersetzt.

Ziel der Denervierung ist eine sofortige Schmerzbefreiung, die zu einer vermehrten Bewegungsaktivität und somit zur Reaktivierung der Beweglichkeit des Gelenkes führt. Das Hüftgelenk besteht aus der knöchernen Pfanne am Becken (Acetabulum) und dem Kopf des Oberschenkelknochens (Femur). Es wird durch die kleinen Aufzweigungen von drei Hauptnerven (N. gluteus cranialis, N. ischiadicus und N. femoralis) versorgt. Diese leiten Schmerzen vom Gelenk in das Schmerzzentrum des Gehirns.

Nach chirurgischem Zugang zum Hüftgelenk ohne Durchschneidung der Muskulatur(!) wird bei der Denervierung eine Entfernung der Knochenhaut bis auf die Knochenhartsubstanz (Kortikalis) der Gelenkpfanne um den Pfannenrand erreicht.

Damit sind die Nervenfasern vom Gelenk getrennt. Das Hüftgelenk selbst bleibt unangetastet und wird damit für weitere OP-Methoden (z.B. den Einbau eines künstlichen Hüftgelenkes) erhalten. Es erfolgt auch keine Verschlechterung der Stabilität des Gelenkes.

Nach der Operation werden meist schon nach 2 bis 3 Tagen eine deutlich verringerte Schmerzhaftigkeit und eine stetige Verbesserung der Bewegungsfreude festgestellt. Dies führt in der Folge zum Muskelaufbau an Becken und Oberschenkel, woraus eine Verbesserung der Stabilisierung des dysplastischen Hüftgelenkes resultiert. Die Schmerzmedikamente können abgesetzt, bei schweren Arthrosen des alten Hundes aber zumindest reduziert werden.

Die Operation kann bei Hunden jeden Alters durchgeführt werden. Das ist besonders vorteilhaft bei Jungtieren unter einem Jahr, bei denen eine Endoprothese aufgrund mangelnder Knochenentwicklung noch nicht eingesetzt werden kann.

Auch für alte Hunde, deren Besitzer die Rentabilität einer größeren Operation mit Hüftgelenkersatz abwägen, eignet sich die Denervierung besonders.

Aufgrund der wenig zerstörenden Operationsmethode und dem Fehlen ernsthafter Komplikationen gilt die Denervierung als echte Alternative zu anderen Maßnahmen bei einer Hüftgelenksdysplasie (HD) und–arthrose.

Femurkopf- und Halsresektion:

Bei einer Femurkopfresektion werden der veränderte Oberschenkelkopf und–hals operativ entfernt.

Durch bindegewebige Umbaumaßnahmen bildet sich eine Syndesmose (Form eines unechten Gelenks, bei dem zwei Knochen durch Bindegewebe zusammengehalten werden), die durch Bewegung daran gehindert wird zu versteifen. Die Verkürzung des Beines kann ohne Probleme kompensiert werden, da sich alle Gelenke des Hinterlaufes in Beugung befinden. Die Femurkopfresektion wird bei schwerer Hüftgelenksdysplasie (HD), aber auch nach Hüftgelenksluxationen mit hoher Rezidivgefahr durchgeführt.

Diese Operationsmethode eignet sich besonders für Katzen und Hunde, die nicht schwerer als 30 kg sind.

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  1. Eine physiotherapeutische Nachbetreuung (im Idealfall mit Unterwasserlaufbandtraining) gilt als unerlässlich.