Brachycephales Syndrom

Je nach Kopfform können die Hunderassen in drei Gruppen unterteilt werden (Evans 1993)

  1. Dolichocephal: langer schmaler Schädel wie beim Collie oder Irish Wolfhound
  2. Mesocephal: mittlere Proportionen z.B. Deutscher Schäfer, Beagle
  3. Brachycephal: verkürzter breiter Schädel; typische Vertreter Pekinese, Chihuahua,franz. Bulldogge, Mops

Bei den brachicephalen Rassen kommt es durch einen vererbten Defekt in der Schädelentwicklung, der Chondrodysplasie, zu einem normal breiten aber verkürzten Schädel.

Dies führt zu multiplen Problemen wie Hydrocephalus, Schluckstörungen, Hiatushernien, Magenblähungen, Otitis media, neurologischen Ausfällen, Zahnfehlstellungen, Bronchiektasie, stenotische Nasenlöcher, vergrösserte Tonsillen, verlängertes Gaumensegel, evertierte Larynxtaschen, eine verengte Stimmritze, Kollaps des Larynx und der Trachea. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den letztgenannten der Liste und dem daraus resultierenden Brachycephales Atemnot Syndrom.

Schematische Darstellung der Anatomie der oberen Atemwege bei einem brachycephalen Hund

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  1. Ethmoidale Conchae
  2. Dorsale Conchae
  3. Ventrale Conchae
  4. Choanen
  5. Weiches Gaumensegel
  6. Epiglottis
  7. Vestibulärfalten
  8. Larynxtaschen
  9. Stimmfalten

Die Nase des Hundes hat drei Hauptaufgaben:

  1. Atmung
  2. Geruchsinn
  3. Thermoregulation

Durch die Missbildungen, die bei der Verkürzung des Schädels entstehen, kommt es zu inspiratorischen Atmengeräuschen bis hin zu massiven Atmenbeschwerden mit Kollaps, Hitze- und Leistungsintoleranz. Je nach Schweregrad gibt es verschiedene Eingriffe, die den betroffenen Hunden das Leben deutlich erleichtern können. Je länger die Probleme bestehen, desto schlimmer werden sie, da es durch den erhöhten Atemwiederstand zu einer traumatisierung des Gewebes in der Halsregion kommt was zu einer Verdickung der Gewebe und somit zu einer Verschlechterung der Symptomatik führt. Daher geht man immer mehr dazu über, die Hunde, wenn respiratorische Symptome bestehen, schon in dem ersten Lebensjahr zu operieren.

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Erweiterung der Nasenlöcher durch Rhinoplastic:

Dabei wird ein keilförmiges Stück aus der Nase entfernt. Hierbei wird nicht nur das weiche Gewebe sondern auch der Flügel des Nasenknorpels weggeschnitten. Dies sollte so früh wie möglich durchgeführt werden, denn Studien von Aron und Crowe(1985) zu folge beeinträchtigt dann ein verlängertes Gaumensegel die Atmung weit weniger und in vielen Fällen bleibt es sogar schmaler.

Entfernung der Tonsillen:

Sollte nur durchgeführt werden, wenn die vergrößerten Tonsillen maßgeblich zu einer Verkleinerung des Rachenraumes und somit zur Verschlechterung der Atmung führen.

Verlängertes und verdicktes Gaumensegel:

Zur Behandlung des Gaumensegels ist die beste Wahl die folded flap Methode, da sie sowohl die Länge als auch die Dicke anpasst. Hunde, die bei der Gaumensegelresektion jünger als zwei Jahre sind, scheinen eine bessere Prognose zu haben, als Hunde die älter als zwei Jahre sind (Harvey, 1982) und (Harvey, 1982).

Larynxkollaps:

Ist die Stimmritze durch den Larynxkollaps nicht vollständig verschlossen, kann er konservativ behandelt werden ansonsten besteht die Möglichkeit einer partiellen Larynektomie. Der Nachteil dieser Operation ist allerdings, dass die Hunde danach eine größere Gefahr der Aspiration von Futter haben und die Überlebensrate gerade mal bei 50% liegt.

Trachealkollaps:

Dieser wird je nach Schweregrad in Gruppen von eins bis vier und je nach der Lage in intrathorakal und extrathorakal eingeteilt. Es sollten nur Fälle der Gruppe zwei bis vier operativ behandelt werden. Je nach Lage des Kollapses wird entweder eine extratracheale Prothese (Polypropylenspiralringprothese) oder ein intratrachealer Stent eingesetzt.

Die bisher übliche Therapie hat sich nur um drei deutlich sichtbare Merkmale des BAS gekümmert. Das heißt es wurden die stenotischen Nasenlöcher mittels Keilexzision erweitert, das Gaumensegel gekürzt und gegebenfalls die Larynxtaschen entfernt. Da diese Therapien keine zufriedenstellende Ergebnisse geliefert haben und die Schwere der Symptome in den letzten 10 Jahren zugenommen hat, wurde intensive Forschung betrieben um den betroffenen Tieren eine bessere Lebensqualität schenken zu können. Dabei wurde festgestellt durch Computertomographische Untersuchungen festgestellt, dass nicht nur die Nasenlöcher außen zu eng sind, sondern auch das innere der Nase durch zu relative Chonchenhyperplasie stark im Lumen verkleinert sind. Um dies zu beheben wurde die LATE entwickelt.

Lasern der Nasenmuscheln:

Bei der LATE (= laser assistierte Turbinektomie) wird eine Sonde in die Nasenhöhle eingeführt, die mittels Laser das überschüssige Gewebe verdampft. Zusätzlich wird ein weiterer Laserstrahl in den Rachenraum geleitet der unter endoskopischer Kontrolle das, die Atemwege verlegende, Gewebe entfernt.

Um eine genaue Einschätzung der Schweregrade der einzelnen Probleme zu erheben sollte vor einer Therapieentscheidung der Patient genau untersucht werden. Dazu gehört auch ein CT der Kopf- und Halsregion.