TPLO – Tibia Plateau Leveling Osteotomy

Die Tibia Plateau Leveling Osteotomy (TPLO) ist eine OP-Methode seit 1998 zur chirurgischen Versorgung des Kreuzbandrisses (vorderes Kreuzband) beim Hund und bei der Katze.
Die Kreuzbänder am Kniegelenk im Hinterbein des Hundes verbinden den Oberschenkel- und den Unterschenkel des Hundebeines. Diese Bänder, besonders das vordere, können reißen, ein nicht selten auftretendes Phänomen bei Hunden. Ein abgelöstes Band führt zur Lahmheit in dem betroffenen Hinterbein. Der Hund macht Entlastungsbemühungen, indem er versucht, seine Bewegungen verstärkt über die anderen Beine zu leiten. In den meisten Fällen muss der Kreuzbandriss chirurgisch mit Hilfe einer TPLO Operation (Tibia Plateau Leveling Osteotomy) versorgt werden.
Das Verfahren wurde in den 1990er Jahren von den amerikanischen Wissenschaftlern Barkley und Theresa Devine Slocum entwickelt. Bei der TPLO wird durch einen runden Schnitt die Tibia (Schienbein) durchtrennt und durch, eigens dafür vorgesehene, patentierte Platten in einer veränderten Stellung wieder verschraubt. Ziel ist es, durch die veränderte Biomechanik den Vorschub, der normalerweise vom vorderen Kreuzband abgefangen wird, zu vermeiden.
Dr. Christian Schwingshandl blickt auf eine jahrelange Erfahrung mit TPLO Operationen zurück, führt diese Operation routinemäßig in seiner Tierklinik durch und verfügt außerdem zur Diagnostik über das modernste CT, den Astelion.

Was ist ein Kreuzbandriss?
Die Kreuzbänder rund um das Kniegelenk im Hinterbein sorgen für die Stabilität im Bein und entfalten eine Stützwirkung und sind daher beim Hund stark ausgebildet. Man unterscheidet anatomisch das vordere Kreuzband (Ligamentum cruciate craniale) und das hintere Kreuzband (Ligamentum cruciate caudale). Von einer Kreuzbandruptur (Kreuzbandriss) ist meist das vordere, dauerhaft stark belastete Band betroffen. Dieses vordere Kreuzband ist durch den abfallenden Neigungswinkel des Schienbeinendes mit dem darauf ruhenden Oberschenkel nachhaltig besonders starken Zugkräften ausgesetzt. Deshalb sind die meisten Rupturen in diesem vorderen Bereich auf Abnutzung und andere degenerative Prozesse zurückzuführen.

Man unterscheidet zwei verschiedene Arten der Kreuzbandruptur:

Die degenerative Ruptur erfolgt schleichend progressiv durch die erwähnte andauernde Einwirkung starker Zugkräfte auf das vordere Kreuzband. Die Gefahr für einen Kreuzbandriss erhöht sich, wenn der Hund durch anatomische Fehlbildungen bei seinen Bewegungen Haltungen einnimmt, die so an sich in der normalen Anatomie nicht vorgesehen sind. Häufig beginnt die Ruptur hier mit Teileinrissen des Bandes, das durch ständige Überbeanspruchung immer elastischer wird. Selbst kleinere Risse und Verletzungen im Band heilen nicht mehr ganz aus. Eines Tages löst sich das Band vollständig ab. Von dieser Art der Kreuzbandruptur sind große, schwere Rassen häufiger betroffen als kleine und leichte. Einige Rassen wie Labradore, Golden Retriever, Bernhardiner und Berner Sennenhunde, Rottweiler sowie Boxer zeigen eine verstärkte Veranlagung für eine Kreuzbandruptur.

Die traumatische Ruptur erfolgt in Form eines Traumas, etwa durch einen Sturz oder Sprung aus größerer Höhe, einen Verkehrsunfall oder eine Beißerei zwischen Hunden mit unglücklichen Bewegungen. Hier reißt das Band plötzlich und ruckartig ab.
In der Folge einer Kreuzbandruptur verspürt der Hund große Unsicherheit, wenn er sein Gewicht auf das verletzte Bein verlagert, da Ober- und Unterschenkel sich gegeneinander verschieben. Das Tier wird so verstärkt eine Schonhaltung einnehmen, um diesen Effekt zu vermeiden.

Symptome und mögliche Folgen eines Kreuzbandrisses?
In erster Linie fällt dem Tierhalter auf, dass der Hund mit dem betroffenen Hinterbein lahmt. Diese Lahmheit muss besonders anfänglich nicht sehr stark ausgeprägt sein, sie kann auch nur bei einem bestimmten Lauf-Tempo deutlich zu beobachten sein. Der Hund kann zwischenzeitlich einige Zeit wieder ganz normal laufen, bis die Lahmheit erneut erscheint. Auch die Schonhaltungen des Hundes können eine sehr unterschiedliche Intensität aufweisen. Zwar verursacht der Bänderriss zunächst keine starken Schmerzen. Häufig kommt es aber in der Folge zu einer Schwellung und bei Nichtbehandlung auch zu dauerhaften Schäden im Kniegelenk. Nachhaltige Meniskusverletzungen sowie eine ausgeprägte Arthrose im Kniegelenk sind Folgen des Bänderrisses. Durch die Schonhaltungen des Hundes werden andere Gelenke überlastet, während in dem geschonten Bein Muskelschwund und Knochenabbau auftreten. Wird ein Kreuzbandriss über längere Zeit nicht behandelt, drohen dem betroffenen Hund sehr starke, unter Umständen nicht mehr reversible Bewegungseinschränkungen sowie Schmerzzustände wachsender Intensität.

Diagnose einer Bänderruptur
Ein Hund, der lahmt und sei es nur in leichter Form, sollte stets bei uns in der Tierklinik vorgestellt werden. Wir können bereits mit einfachen diagnostischen Tests klinisch-orthopädischer Art die meisten Bänderrisse sicher feststellen. Eine Reihe von Untersuchungen wie der Sitztest sowie besonders der Schubladen- und Tibiakompressionstest geben Aufschluss über eine mögliche Ablösung des Kreuzbandes. Beim positiven Sitztest ist beispielsweise zu erkennen, dass der Hund das vom Bänderriss betroffene Beim im Sitzen deutlich seitlich abspreizt. Beim positiven Schubladen- und Tibiakompressionstest stellt Dr. Schwingshandl tastend fest, dass zwischen Ober- und Unterschenkel eine Verschieblichkeit im Kniegelenk besteht, die bei intakten Bändern nicht gegeben ist. Nur in Zweifelsfällen muss außerdem geröntgt werden. Es kommen auch eine CT-Untersuchung oder eine Arthroskopie in Frage.

Behandlung eines Kreuzbandrisses beim Hund
Konservative Behandlungen einer Kreuzbandruptur mit Spritzen und Schmerzmitteln sind selten erfolgversprechend, wenn dann nur bei kleinen, leichten Tieren. Überwiegend muss eine Kreuzbandruptur operativ behandelt werden mittels der sogenannten TPLO.



Die Operationstechnik der TPLO:
Mittels einer patentierten kreisrunden Säge wird die Tibia der betroffenen Gliedmaße durchtrennt. An der Schnittstelle wird der obere Teil der Tibia so gedreht, dass der vorherberechnete biomechanisch optimale Winkel erreicht wird. Ist dieser erreicht, wird der getrennte Knochen mit einer – eigens für diesen Zweck konzipierten – Sechsloch-Platte wieder verschraubt. Das Verfahren ist prinzipiell der Versorgung eines Knochenbruches angeglichen.  Wichtiger Aspekt hierbei ist jedoch, dass das Wadenbein (Fibula) unbeschädigt ist, denn während der Heilungsphase der Tibia lastet nun ein großer Teil der Stützlast auf dem Wadenbein. Ist die Fibula beschädigt, ist eine vorherige Versorgung dieser zwingend notwendig.
Dr. Schwingshandl erzielt mit dieser Methode sehr gute Erfolge bei allen Hunderassen und Hundegrößen. Da die TPLO doch für das Tier ein beträchtlicher, invasiver Eingriff ist erfordert er nach dem Eingriff zunächst eine längere Schonzeit des Tieres.

Postoperative Behandlung:
Der Erfolg einer Operation bei Kreuzbandriss steht und fällt mit der Nachbetreuung des Hundes, der regelmäßig 6 Wochen das Bein nicht voll belasten darf und in den ersten drei Wochen nur die notwendigsten Gänge machen soll. Gerade bei jüngeren, respektive unruhigen, verspielten Hundetypen kann das eine echte Herausforderung für den Hundehalter darstellen. In den ersten drei Monaten nach der Operation muss die Bewegungsintensität sehr langsam aufgebaut und gesteigert werden. Zur Verhinderung von Belastungsspitzen (Herumspringen, Spiel mit anderen Hunden) sollte der Hund für ca. 2 Monate an der Leine geführt werden. Anfänglich sollte man den Hund nur dreimal täglich im Schritt bewegen für ca. 3 Minuten.  Die Ausgehzeit kann man dann wöchentlich um 5 Minuten steigern.
Die betroffenen Tiere müssen intensiv betreut und überwacht werden. Hundehalter müssen hier Geduld haben und sich viel Zeit nehmen. Unsere Bewegungstherapeutin unterstützt die Hundehalter dabei tatkräftig mit unserem Unterwasserlaufband zur Frühmobilisierung und Erhaltung der Muskelkraft.

Kann man dem Kreuzbandriss vorbeugen?
Der verantwortungsvolle Hundehalter wird sich stets bemühen, traumatische Verletzungen im Bereich des Kniegelenks zu vermeiden. Große, schwere Hunde wie Molosser und die klassischen Lagerhunde sollten außerdem nicht dauerhaft überlastet werden, da Überlastungen die vorzeitige Degeneration der Bänder fördert.

Folgen einer Nicht-Behandlung
Unbehandelt bedeutet ein Kreuzbandriss großes Hundeleid, weil Bewegungsfähigkeit und Bewegungsfreude sehr eingeschränkt werden. Es drohen irreversible Schäden im Meniskus. Nicht zuletzt hat das Tier auch Schmerzen. Deshalb sollten Sie uns bei Lahmheit des Hundes stets kontaktieren, um den Bänderriss als Ursache auszuschließen oder zügig zu behandeln. Je früher die Ruptur behandelt wird, desto weniger ernste Spätfolgen wie Meniskusschäden und bleibende Einschränkungen der Beweglichkeit sind zu erwarten.