Fallbericht hochansteckender Virus Vögel

Fallbericht: hochansteckender Virus Vögel

Fallbericht

Uns wurde der 5 Monate alte Halsbandsittich Berti vorgestellt. Berti war vor einigen Tagen schon bei einem anderen Tierarzt, weil er seine Federn verlor, bzw diese nach der Mauser nicht nachwuchsen. Dort hatte er Vitamine und ein Milbenmittel verschrieben bekommen.

Da keine Besserung eintrat, wurde Berti zu uns gebracht. Zum Zeitpunkt der Vorstellung fehlten alle langen Schwungfedern, sowie die Brust- und Rückenfedern. Bis auf das Kopfgefieder waren die verbliebenen Federn in einem schlechten Zustand.

Für dieses Krankheitsbild kommen vor allem 2 Viren als Auslöser in Frage: Circovirus und Polyomavirus

Die bei uns durchgeführten Abstriche waren positiv auf das Circovirus.

Das Polyomavirus wurde zuerst bei Wellensittichen beschrieben, kommt aber auch bei anderen Papageienartigen vor. Besonders anfällig gelten Wellensittiche, Agaporniden, Aras und Edelpapageien. Die Erkrankung verläuft alters- und speziesabhängig unterschiedlich. Am schlimmsten ist der Verlauf meistens bei Wellensittichen (französische Mauser, Rennerkrankheit) und wenn es zu einer gleichzeitigen Infektion mit dem Circovirus kommt.

Das Circovirus löst die Psittacine Beak and Feather Disease PBFD aus. Dabei handelt es sich um eine hochansteckende Erkrankung, welche weit verbreitet ist. Der Virus ist in der Umwelt sehr stabil und gegen viele Desinfektionsmittel resistent. Sie können außerhalb des Vogels über Monate bis Jahre überleben. Die Ansteckung erfolgt über direkten Kontakt oder aber über Pflegepersonal, Futternäpfe….

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) schwankt stark und reicht von wenigen Wochen bishin zu Jahren. Grundsätzlich sind Papageien, die jünger als 3 Jahre sind, anfälliger für diese Krankheit.

Es werden verschiedene Verlaufsformen unterschieden:

  • perakuter Verlauf (besonders bei frisch geschlüpften Tieren; die Tiere sind matt, haben Durchfall, verlieren stark an Gewicht und versterben plötzlich)
  • akuter Verlauf (tritt vor allem bei Jungvögeln während des Federwachstums um den 30. Lebenstag auf auch hier kommt es zu Mattigkeit, Durchfällen, Veränderungen an den Federn treten nur selten auf)
  • chronischer Verlauf (Hauptsymptom sind Federveränderungen, die von Mauser zu Mauser schlimmer werden zusätzlich kommt es durch eine Unterdrückung des Immunsystems zu Begleitinfektionen häufig kommt es auch zu Veränderungen des Schnabels und der Krallen)
  • klinisch unauffälliger Verlauf (die betroffenen Tiere zeigen selber keine Symptome, sind aber Träger des Virus und können andere Tiere anstecken)

Der unterschiedliche Krankheitsverlauf, die häufig lange Inkubationszeit und die Tatsache, dass klinisch unauffällige Virusträger vorkommen, sorgen dafür, dass die Krankheit schwer aus betroffenen Beständen zu eliminieren ist. Da auch eine Therapie nicht möglich ist, ist die Vorbeugung sehr wichtig. Neuzugänge sollten, wenn möglich getestet werden und es sollte immer eine Quarantäne von 90 Tagen eingehalten werden.

Fallbericht hochansteckender Virus Vögel
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